Blogger vs. Realität #1

-®unitedmoments-150418-3460Wie viel haben Blogger mit der Realität gemeinsam? Mit Pickeln im Gesicht? Mit zerzausten Haaren, die an diesem Tag einfach nicht so wollen wie man selber? Mit Selbstzweifeln (und damit meine ich nicht die inszenierten Selbstzweifel) und miesen Tagen? Mit Unlust und Unmotiviertheit? Mit schlechter Laune und diesen „nichts klappt wie es klappen soll?“ Tagen?
Herzlich wenig. Zumindest die meisten. Die Fotos übertreffen sich an Perfektion. Die Texte strahlen Lebensfreude aus. Erfolg im Job und in der Beziehung. Der Herzensmann wird immer mal wieder mit eingebunden – soll ja schließlich jeder sehen, dass man den perfekten Gentleman an seiner Seite hat, von dem viele noch träumen. Gute Laune ist sowieso so ein Bloggerding. Immer. Leider. Denn: Wie oft geben die Bilder, die Texte, die Realität wieder?
Ich kam gestern um kurz nach Fünf nach Hause. Hatte Zeit. Wollte mich ein wenig an den Laptop setzen. Bloggen. Bilder bearbeiten. Klamotten fotografieren, die ich endlich loswerden will. Nach 2 Stunden war ich es leid. Meine Kamera hatte den Geist aufgegeben. Warum? Keine Ahnung. Sie ging einfach nicht mehr und mein Handy ist qualitativ unterirdisch was Bilder angeht. Der Blogbeitrag? Keine einzige Zeile hatte ich geschrieben und mich stattdessen auf anderen Blogs rumgetrieben. Interessant war es, mehr aber auch nicht! Geschafft? Habe ich absolut gar nichts. Gewollt? Eine ganze Menge! Die Zeit nutzen, vorarbeiten, abarbeiten, Mails beantworten. Frust machte sich breit. Ich war unzufrieden mit mir selber. Wollte eigentlich so vieles und stand mir (mal wieder) selbst im Weg. Warum sind die anderen so perfekt? Warum setzen sie sich hin und arbeiten, während sich in meinem Kopf eine innere Leere ausbreitet. Warum sitzen die perfekt gestylt auf ihren Lammfelldecken auf einem Stuhl, während ich in Hoody und Shorts mit angewinkelten Beinen auf dem Stuhl hocke? Warum klappt bei denen alles? Alles nur inszeniert? Dargestellt?
Ok. Kann ich auch. Seht ihr ja auf dem Bild. Ja, auch ich habe eine dunkle Seite, wenn ich sie zeigen will. Genug Make Up, ein wenig Kunstblut, das richtige Licht, der richtige Fotograf, die richtige Bearbeitung…wer das alles hat, kann jede Stimmung inszenieren und es als „so ist mein Leben“ darstellen. Aber was soll das? Warum wollen alle (viele) Blogger ein Leben präsentieren, was sie (meist) gar nicht haben? In dem (nicht) immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist? Ich finde es schade, dass viele nur noch den Schein wahren wollen. Ein möglichst perfekter Beitrag mit dem perfekten Bild. Naja, es scheint genug Leser anzuziehen. Bewunderer, die auch so ein vermeindlich perfektes Leben führen wollen. Mädels, die „Blogger“ als Traumberuf angeben. Jeder hat auch mal Frustphasen im (sonst so perfekt inszenierten Blogger-) Leben. Man muss sich nur trauen, diese Phasen zuzugeben oder diese zu zeigen – meine hat übrigens gestern in der Badewanne geendet. Abtauchen, die Welt aussperren – ohne Kamera. Ohne Inszenierung. Ganz echt. Mit anschließendem Schoko-Frust-Essen und der Erkenntnis, dass man an machen Tagen auch einfach mal alles blöd finden und miese Laune haben darf. Das ist nämlich echt. Uninszeniert. Die nackte Wahrheit – aber das will ja keiner lesen^^

Danke an http://www.unitedmoments.de für das tolle Shooting!

20 Gedanken zu “Blogger vs. Realität #1

  1. Schade, dass deine Kamera kaputt gegangen ist… Als mir das passiert ist hab ich wochenlang geflucht >.< Ich kann deine Worte aber so unterschreiben. Das Bild vom Shooting ist aber echt cool geworden!
    Ich hab's langsam satt diese "Lifestyle" Blogs zu lesen, wo jeder nur seine besten Seiten präsentiert. Es gibt Tage an denen man einfach nichts gebacken kriegt. Das find ich aber gar nicht mal so wild, weil es auch produktive Tage gibt 🙂

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  2. Sehr interessanter Post!
    Ich denke es wirkt auf vielen Blogs alles immer „perfekt“, weil man mit dem Internet natürlich lieber schöne Sachen teilt, als alle Probleme in die Öffentlichkeit zu stellen. Man muss da wahrscheinlich einfach ein gutes Mittelmaß finden 🙂
    Das mit der Kamera ist natürlich wirklich blöd :/ Mein Objektiv macht mir momentan auch Probleme, ich hoffe das legt sich bald wieder 🙂

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.blogspot.de

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  3. Toller Post!
    Ich muss zugeben; als Perfektionistin wird meine innere Ästhetin total von gut inszenierten Fotos, einem schönen Layout etc. angesprochen. Ich selbst bin aber eine „Blogger-Schlampe“ 😀 Bei uns zu Hause sieht es nicht minimalistisch wie in einem Möbelkatalog aus, mein Essen ist nie schön drapiert und ich habe wenig Lust soviel Arbeit in eine perfekte Formatierung zu stecken. Mein Blog ist mein Freizeitvergnügen und da gibt’s Tage, da nehme ich mir zwar etwas vor,mache es dann aber nicht. Ich mache mir da allerdings inzwischen auch keinen Druck mehr; ich will mich nicht verstellen und/oder Geld damit verdienen. Ich schreibe auch nicht immer über das Negative, aber das liegt dann daran, dass es bei manchen Bloggern so wirkt als würden sie nur Mitleid haben wollen.

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  4. So ein herrlich wahrer Post. Besonders fällt mir das immer auf Plattformen wie Instagram & Co. auf. Friede, Freude, Eierkuchen. Perfekt gestyled (ich trage ja am Wochenende weder Blüschen noch High-Heels, eher bequemer Schlabberloock :D). Perfekte Welt. Perfekter Urlaub. Perfekter Freund. Perfekter Job. Da frag ich mich dann schon machmal: Was machst du eigentlich falsch? Aber dann erinnere ich mich jedes mal wieder drann, dass der Schein auch hier trügt! 😉 Ab und zu muss man einfach abtauchen. Wäre alles perfekt und einfach, wäre das ja auch langweilig 🙂

    Ganz liebe Grüße Coco
    https://magnificoco.wordpress.com/

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  5. Pingback: 7 Facts About Me Tag |

  6. Genau deshalb lese ich kaum Modeblogs mehr, nutze kein Facebook und mag Instagram nicht (auch wenn ich seit Kurzem selbst angemeldet bin). Alle gaukeln das perfekte Leben vor. Alle sind immer perfekt gestylt, gehen mit 12cm Pumps, kurzem Rock, Lederjacke sowie einem Lächeln durch den Schnee und essen immer nur Miniportionen von schön drapiertem, ausschließlich selbstgekochtem und gesundem Essen. Außerdem machen alle immer nur Urlaub und sitzen im Cafè. Klar, wer’s glaubt 😀

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  7. Da hast du recht. Wir sollten echt aufpassen nicht alles ins Perfekte zu inszenieren. Obwohl ich sagen muss, dass es eben keiner hören möchte, wenn man schlecht drauf ist und mit ungewaschenen Haaren vor dem Laptop sitzt, anstatt wie auf Instagram angegeben auf den Malediven zu sitzen. Uns wird es heutzutage einfach immer wichtiger, was andere über einen denken und Bewunderung zu ernten. Der Grasd ist wohl sehr schmal von kompletter Verstellung bis zu „ein bischen Aufpolieren!.
    Es gab ja auch mal eine Frau, die allen umliegenden mitmenschen einschließlich ihrer FAmilie vorgekaukelt hat, sie mache ein Auslandstrip. Dabei saß sie in ihrer Wohnung daheim und hat die Fotos bei sich gemacht.

    Alles Liebe,
    Birte
    http://show-me-your-closet.de/

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