Einfach anfangen…

Ich sitze auf der Couch und lese diesen Beitrag. Und denke nach. Und grübel. Und frage mich, warum ich nicht auch so bin. Warum finde ich die Vorsätze anderer so toll und schaffe es selbst nicht, alles vorgenommene umzusetzen? Warum fange ich 5 neue Projekte an ohne die anderen 3 bereits beendet zu haben? Warum bewundere ich manch einen für das (bereits gebuchte) Vorhaben, sich eine Ferienwohnung auf einer tollen Insel zu nehmen und dort eine Woche lang nichts zu machen außer an dem Buch zu schreiben. Neid kommt auf. Neid, weil ich diesen Tritt in den eigenen Hintern nicht schaffe. Wie auch, so gelenkig bin ich dann doch nicht…
Ich bewundere andere für ihren Alltag. Ein Alltag, der sich nicht in einem tristen Büro abspielt. Ein Alltag, der nicht vom Geldgeber vorgegeben, sondern selbst bestimmt wird. Ein Alltag, in dem ich bestimmen kann wann und wo ich arbeite. Zu welcher Uhrzeit ich am Schreibtisch sitze. Einen Alltag in dem ich mal eben sagen kann „Ich lege mich bei der tollen Sonne noch ein bisschen an den Strand und arbeite dafür heute Abend weiter!“, ein Alltag, bei dem ich bis tief in die Nacht arbeiten kann um tagsüber mein Leben leben zu können. Andere tun dies bereits, während ich noch davon träume. Aber Träume sind schließlich da um sie in die Tat umzusetzen.

Ich habe oft morgens, wenn ich früh wach bin, das Bedürfnis mich an meinen Schreibtisch zu setzen und zu schreiben. Neben mir eine schöne Tasse Cappuccino, eingekuschelt in einen bequemen Hoody, eine Jogginghose, dicke Kuschelsocken. Und dann einfach nur drauf los schreiben ohne darüber nachzudenken. Mein Alltag sieht leider aus. Ich habe einen tollen Gedanken, verwerfe ihn jedoch spätestens unter der Dusche wieder, weil ich dann nämlich schon darüber nachdenke, was ich heute im Büro anziehen soll, welcher Nagellack dazu passt, was auf der heutigen Agenda steht und meist kommen dann auch diese „Unlust“ – Gedanken. Aber Geld verdienen muss schließlich sein und so bleibt mein Schreibtisch unberührt, der Cappuccino in der Dose und der tolle Gedanke verschwindet auf nimmer Widersehen in den Tiefen irgendeiner Schublade in meinem Kopf. Meist so tief, dass ich ihn nie wieder finde. Und zwei Stunden später denke ich noch nicht einmal mehr darüber nach, dass ich doch jetzt eigentlich viel lieber „meins“ schreiben würde, statt im Büro zu sitzen, welches nicht meines ist.
„Raus aus dem Hamsterrad“, werben dann viele Seiten. Und wieder geht mein persönliches Hamsterrad an genau dieser Stelle los. Ich komme also von der Arbeit, erledige noch die wichtigsten Dinge wie Haushalt oder Einkaufen, mache noch ein wenig Sport nach dem langen Tag am Schreibtisch und liege dann abends nur noch müde und platt auf der Couch, anstatt endlich „mein“ Projekt in die Hand zu nehmen, weiterzumachen und so zu versuchen, diesem tristen Alltag zu entfliehen und in meinen Wunsch-Alltag einzutauchen. Den Alltag, den ich bestimmen kann – und niemand anderes.
Ein Alltag, bei dem ich mich, wenn es sein muss, auch mal 2 Tage hintereinander in meiner Wohnung einsperren und schreiben kann wenn mir danach ist.
Stattdessen heißt mein Tagesmotto: Prokrastination. Oder einfacher ausgedrückt: Aufschieberitis. Ich schiebe das, was ich machen möchte. Ich bin teilweise so in meinem Alltag gefangen, dass mir gar nicht der Sinn danach steht, noch irgendwas für „mein“ Leben zu tun. Und dann kommen die Momente, oftmals Montags oder Dienstags „Ach, das mache ich dann am Wochenende!“. Und am Wochenende ist aber wieder so viel geplant und das Gammeln auf der Couch, das Shoppen mit einer Freundin ist sooo viel wichtiger, dass ich dann Sonntag-Abends denke: „Ach, das mache ich dann Mittwochabend. Da bin ich schon um halb Sechs zu Hause und kann den ganzen Abend schreiben!“
Und dann ist es Mittwochabend. Und ich bin um halb Sechs zu Hause und fahre meinen Laptop hoch, checke meine Emails, verliere mich im World Wider Web um dann um Zehn Uhr festzustellen, dass ich mal wieder absolut gar nichts geschafft habe…

Von nichts kommt nichts. Ein alter Spruch, hinter dem jedoch so sehr viel Wahrheit steckt. Klare Ziele setzen und diese auch endlich angehen, sonst wird das nichts!

Einfach anfangen! Mehr ist es nicht, nur diese zwei kleinen Worte, die eigentlich doch alles aussagen, was man tun muss, um seinem Ziel eine ganze Ecke näher zu kommen. Einfach anfangen!

6 Gedanken zu “Einfach anfangen…

  1. Das Problem hatte ich in den letzten drei Wochen weil mir die Motivation auf einen Schlag geraubt wurde. Ich wollte weder arbeiten, reden oder mich um meine Hobbys kümmern. Dann hing ich bei YT rum und hab PC gespielt weil einfach gar nix mehr ging.

    Normalerweise ist Prokrastination für mich ein Fremdwort, weil ich sehr gewissenhaft und pflichtbewusst bin. Wenn ich merke dass ich etwas aufschiebe mach ich einen Tag etwas anderes (Hobbys, aufräumen, rausgehen…) dann geht das wieder.

    Ich habs aufgegeben andere um ihren Alltag zu beneiden. Vieles was man so hört und sieht ist gestellt und gelogen. Die wenigsten widmen sich den ganzen Tag ihren Hobbys bzw können ihren Alltag flexibel gestalten. Sie gehen damit ein Risiko ein (z.b. durch Selbstständigkeit mit einer gewagte Idee) oder können es sich leisten weil andere die Drecksarbeit erledigen oder weil ihre Lebensumstände (durch frühere Arbeit oder Leistungen der vorherigen Generationen) es zulassen.

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